Verfahren und Vorrichtung zur Regelung des Ladedrucks einer
Brennkraftmaschine
Stand der Technik
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine
Vorrichtung zur Regelung des Ladedrucks einer
Brennkraftmaschine mit einem Abgasturbolader, dessen im
Abgaskanal der Brennkraftmaschine angeordnete Turbine eine
veränderbare Geometrie aufweist, wobei die Regelung des
Ladedrucks über eine Verstellung der Turbinengeometrie
erfolgt.
Wie z. B. aus der DE 41 07 693 A1 oder der EP 04 54 943 A1
hervorgeht, erfolgt üblicherweise die Ladedruckregelung
dadurch, daß ein Regler in Abhängigkeit von der Abweichung
zwischen einem Soll-Ladedruck und einem Ist-Ladedruck eine
Stellgröße bildet. Diese Stellgröße wird entweder dazu
verwendet (s. DE 41 07 693 A1), ein Ventil in einem die
Turbine des Laders im Abgaskanal überbrückenden Bypass oder
die verstellbaren Turbinenleitschaufeln einer Turbine mit
variabler Geometrie zu steuern (s. EP 04 54 943 Al).
An Motoren werden zunehmend höhere Anforderungen bzgl. der
Abgas-und Verbrauchskennwerte gestellt. Ein Abgasturbolader
mit variabler Turbinengeometrie erlaubt durch Verstellen der
Turbinenleitschaufeln eine Anpassung an den aktuellen
Motorbetriebspunkt. Mit dieser Technik kann ein verzögertes
Ansprechen des Abgasturboladers (Turboloch) verringert und
gleichzeitig der Wirkungsgrad des Motors verbessert werden.
Bei Beschleunigungsvorgängen treten oft starke Oberschwinger
des Ladedrucks auf, die den Turbolader mechanisch sehr stark
belasten. Darüberhinaus kann ein zu starkes Schließen der
variablen Turbinengeometrie in der Beschleunigungsphase zu
einem unerwünscht hohen Abgasgegendruck führen, wodurch
Dynamik und Wirkungsgrad des Motors negativ beeinflußt
werden.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein
Verfahren und eine Vorrichtung zur Ladedruckregelung der
eingangs genannten Art anzugeben, welche gewährleisten, daß
der Ladedruck bei einem Lastwechsel dem Verlauf des
gewünschten Ladedrucksollwertes möglichst schnell folgt,
wobei eine Überschreitung des Ladedrucksollwertes vermieden
wird, um den Abgasturbolader vor unnötig hohen Belastungen
zu schützen.
Vorteile der Erfindung
Die genannte Aufgabe wird mit den Merkmalen der Ansprüche 1
und 3 dadurch gelöst, daß in Abhängigkeit von dem im
Abgaskanal vor der Turbine herrschenden Abgasgegendruck eine
Stellgröße für die Turbinengeometrie ermittelt wird. Der
Abgasgegendruck reagiert erheblich schneller als der
Ladedruck auf ein verändertes Verhalten der Regelstrecke-
z. B. Drehzahländerung, Lastwechsel, Änderung einer
Abgasrückführung-oder auf Störungen z. B. im Stellsystem.
Wird nun erfindungsgemäß der Abgasgegendruck zur Herleitung
einer Stellgröße verwendet, so erreicht man dadurch eine
sehr schnelle Reaktion der Ladedruckregelung auf eine
Veränderung des vorgegebenen Soll-Ladedrucks.
Eine vorteilhafte Weiterbildung des erfindungsgemäßen
Verfahrens bzw. der erfindungsgemäßen Vorrichtung geht aus
den Unteransprüchen hervor. Danach wird aus der Abweichung
zwischen einem Soll-Ladedruck und einem Ist-Ladedruck von
einem ersten Regler ein Soll-Abgasgegendruck ermittelt, und
aus der Abweichung zwischen dem Soll-Abgasgegendruck und
einem gemessenen oder geschätzten Ist-Abgasgegendruck wird
von einem zweiten Regler die Stellgröße für die
Turbinengeometrie hergeleitet.
Zeichnung
Anhand eines in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiels wird nachfolgend die Erfindung näher
erläutert. Es zeigen :
Figur 1 eine schematische Darstellung einer
Brennkraftmaschine mit einem Abgasturbolader und
Figur 2 ein Funktionsdiagramm für die Regelung des
Ladedrucks.
Beschreibung eines Ausführungsbeispiels
In der Figur 1 ist eine Brennkraftmaschine 1 mit einem
Ansaugkanal 2 und einem Abgaskanal 3 dargestellt. Im
Abgaskanal 3 ist die Turbine 4 und im Ansaugkanal 2 der
Verdichter 5 eines Abgasturboladers angeordnet. Desweiteren
kann die Brennkraftmaschine mit einem Abgasrückführkanal 6
augestattet sein, der den Abgaskanal 3 mit dem Saugrohr 2
verbindet. Im Abgasrückführkanal 6 befindet sich ein
steuerbares Ventil 7. Im Saugrohr 2 sind ein Drucksensor 8
zur Messung des Ladedrucks pld und ein Luftmassensensor 9
zur Messung der angesaugten Luftmasse lm angeordnet.
Außerdem befindet sich im Saugrohr eine Drosselklappe 10.
Ein Sensor 11 erfaßt die Drehzahl mmot der
Brennkraftmaschine, und ein Drucksensor 12 im Abgaskanal 3
mißt den Abgasgegendruck pag vor der Turbine 4. Es ist ein
Steller 13 vorhanden, der auf die Turbinengeometrie
einwirkt, d. h. eine Verstellung der Turbinenleitschaufeln
vornimmt. Dieser Steller 13 erhält eine Stellgröße vtg aus
einem Steuergerät 14. Zur Herleitung der Stellgröße vtg für
die Turbinengeometrie und einer Stellgröße arf für das
Abgasrückführventil verwendet das Steuergerät 14 als
Eingangsgrößen die Motordrehzahl nmot, die
Drosselklappenstellung dk, die angesaugte Luftmasse lm, den
Ladedruck pld und den Abgasgegendruck pag.
Wie das Steuergerät 14 aus den genannten Eingangsgrößen. die
Stellgröße vtg für die Turbinengeometrie herleitet, wird
anhand des Funktionsdiagramms in Figur 2 näher beschrieben.
Ein Prozessor PZ ermittelt aus der Motordrehzahl nmot, der
Drosselklappenstellung dk, welche den Fahrerwunsch
wiedergibt, und noch eventuell anderen hier nicht erwähnten
Betriebsgrößen des Motors einen Soll-Ladedruck plds. Auf die
Herleitung des Soll-Ladedrucks plds wird hier nicht näher
eingegangen, weil sie zum Stand der Technik gehört. In einem
ersten Verknüpfungspunkt V1 wird die Abweichung Apld
zwischen dem Soll-Ladedruck plds und einem Ist-Ladedruck pld
ermittelt. Der Abweichungwert Apld für den Ladedruck wird
einem ersten Regler R1 (z. B. PI oder PID-Regler) zugeführt.
Die Ausgangsgröße des ersten Reglers Rl entspricht einem
Sollwert pags des Abgasgegendrucks im Abgaskanal 3. In einem
zweiten Verknüpfungspunkt V2 wird die Abweichung Apag
zwischen dem Soll-Abgasgegendruck pags und dem Ist-
Abgasgegendruck pag bestimmt. Der Abweichungswert Apag für
den Abgasgegendruck wird einem zweiten Regler R2 zugeführt,
der schließlich die Stellgröße vtg für die veränderbare
Turbinengeometrie bildet.
Der Ist-Ladedruck pld kann entweder mittels des Drucksensors
8 im Saugrohr 2 gemessen werden, oder es kann ein Schätzwert
für den Ist-Ladedruck vom Prozessor PZ aus verschiedenen
Betriebsgrößen der Brennkraftmaschine hergeleitet werden.
Die strichpunktierte Linie in der Figur 2 deutet an, daß der
Ist-Ladedruck pld ein vom Prozessor PZ ermittelter
Schätzwert ist. Der Ist-Abgasgegendruck pag kann ein Meßwert
des Drucksensors 12 im Abgaskanal 3 sein. Für den Ist-
Abgasgegendruck pag kann aber auch ein vom Prozessor PZ aus
Betriebsgrößen der Brennkraftmaschine hergeleiteter
Schätzwert sein. Die vom Prozessor PZ zum zweiten
Verzweigungspunkt V2 führende strichpunktierte Linie deutet
an, daß der Ist-Abgasgegendruck pag ein vom Prozessor PZ
berechneter Schätzwert ist. Auf die Berechnung der
Schätzwerte für den Ist-Solladedruck pld und den Ist-
Abgasgegendruck pag wird hier nicht näher eingegangen, weil
hier aus dem Stand der Technik bekannte Verfahren verwendet
werden können.
Durch Schließen der Turbinengeometrie steigt der
Abgasgegendruck pag im Abgaskanal 3 vor der Turbine 4 an und
damit auch die in die Turbine 4 eingekoppelte Energie.
Dadurch steigt die Laderdrehzahl und gleichzeitig auch der
Ladedruck pld im Saugrohr 2. Falls eine Abgasrückführung,
wie in der Figur 1 dargestellt, vorhanden ist, kann über den
Abgasrückführkanal 6 durch Öffnen des Ventils 7 Abgas in das
Saugrohr gelangen, wenn der Abgasgegendruck pag größer ist
als der Ladedruck pld. Wird das Abgasrückführventil 7
geöffnet, so sinkt der Abgasgegendruck pag und dadurch
ebenfalls der Ladedruck pld im Saugrohr 2.
Die Erfindung basiert auf der Beobachtung, daß der
Abgasgegendruck pag wesentlich schneller auf eine
Verstellung der Turbinengeometrie reagiert als der Ladedruck
pld. Der Ladedruck pld spricht erst um die Zeitkonstante des
Abgasturboladers verzögert an. Daher wird die Dynamik eines
Reglers für den Ladedruck wesentlich durch das
Trägheitsmoment des Abgasturboladers begrenzt. Die dabei
auftretende Zeitkonstante ist jedoch wesentlich größer als
die Zeitkonstante einiger Störungen, die durch das
zeitvariante Verhalten der Regelstrecke, durch Öffnen und
Schließen des Abgasrückführventils 7 oder durch Fehler im
Leitapparat der Turbine 4 auf das System wirken. Störungen
des Leitapparats der Turbine, Veränderungen des Ventilhubs,
des Abgasrückführventils 7 oder Veränderungen des
Arbeitspunktes der Brennkraftmaschine wirken sich sehr
direkt auf den Abgasgegendruck pag aus und können daher in
dem unterlagerten Regelkreis mit dem Regler R2 sehr schnell
ausgeglichen werden. Der überlagerte Regelkreis mit dem
Regler R1 muß langsamer ausgelegt werden als der
unterlagerte Regelkreis mit dem Regler R2. Da der Ladedruck
pld aber ohnehin träger ist als der Abgasgegendruck pag,
wird diese Bedingung automatisch erfüllt.